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Lelonek presents ... reflections Vol.1
- ein Interview von electrigger.de
Das sich beim ASIAN UNDERGROUND auch in Deutschland immer mehr tut, zeigt
auch das Projekt von LELONEK, das seine Anfänge in London bei den ANOKHA-Sessions
hat und nun bei der Reise über den Kanal zu einer fünfköpfigen Band angewachsen
ist. Anlässlich eines Auftritts mit vielseitigen Live-Instrumentarium
im Rahmen der regelmäßigen Asian-Parties mit DJ Minsky im Roten Salon
in Berlin wurde folgendes Interview geführt.
Ich hab von Euch bisher relativ wenig gehört, tretet Ihr das erste
Mal zusammen als Band auf?
LELONEK: Ja fast. Wir sind zum zweiten Mal heut' als Liveband in dieser
Besetzung zusammen. Mit dabei ist SIMBAD aus London, an Keyboards und
Flöte und general weirdness. Dann gibts den MOURAD, ALEX SCHMIDT, an der
Oud und am Bass hier neben mir rechts. Der JAWED IQBAL aus Bombay an den
Percussions und last but not least Thomas Hupp an Drums und Percussions.
Das ist so das Setup, was wir im Moment machen.
Jawed: Und dann ist da noch der LELONEK.
Erzählt ein bischen von eurer neuen CD
LELONEK: Also wir haben eine Compilation-CD gemacht. Die heißt "Reflections
01" und da ist unser Sound drauf, den wir NU ASIAN UNDERGROUND nennen.
Der reicht auch in den Orient. Also von Thailand über Afrika, Arabien,
also 'ne sehr gemischte Sache. Das geht auch musikalisch im Stil von Trip
Hop über Drum'n'Bass und 'n bisschen der Frankfurter Trance-Sound auf
einem Stück. Das sind zur Hälfte englische Artists und zur anderen Hälfte
Deutsche, und wir haben auch eine Band aus Österreich dabei.
Die deutsche ASIAN UNDERGROUND-Szene ist ja, soweit ich weiß nicht
so groß - wie habt ihr Euch denn da zusammengefunden - kennt Ihr Euch
schon länger?
Mourad: Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind sozusagen, also das war
so 'ne Kettenreaktion, angefangen vom Kleinanzeigen lesen... Jetzt sitze
ich hier in Berlin. ·
Also habt Ihr dann direkt gesucht um so eine Band zu formieren.
LELONEK: Es ging alles von mir aus. Ich mach es auch schon ein paar Jahre
- drüben in London seit wir damals im Blue Note "ANOKHA" gegründet haben.
Das war so der Hauptclub mit dem der ganze Sound so angefangen hat. Und
nach vielen zahlreichen Produktionen, Remixen und so weiter und so fort,
haben wir uns jetzt entschlossen 'ne Live-Geschichte zu machen, um auch
unsere CD zu promoten. Und es hat eigentlich eher zu Hause hier in Deutschland
wieder angefangen, Leute kennen zu lernen. So wie Thomas und dadurch den
Alex Mourad, Simbad kenne ich von London und Jawed ist ein alter Schulfreund
von mir. Irgendwie hat das alles so gepasst.
Und
der Sound? Alte LELONEK-Sachen sind ja eher Drum'n'Bass. Geht er noch
in die Richtung oder hat sich da was gewandelt?
LELONEK: Ich würde sagen, teilweise ist es schon noch so. Also der Sound
ist schon noch sehr mit dem Drum'n'Bass verhaftet und jetzt ist aber auch
durch eben diese ganzen akustischen Instrumente, die dazugekommen sind
- die ja normalerweise bei Drum'n'Bass Sessions eher vom Sampler und so
weiter kommen - schon ein anderer Sound entstanden. Es sind mehr Slowbeat-Sachen
dabei, die eine relaxte Atmosphäre schaffen, dazu einige Hip Hop-Grooves,
und mehr akustisch.
Denkt Ihr, dass sich in der ASIAN UNDERGROUND Szene jetzt ein paar
wenige Bands einen Namen gemacht haben, also ASIAN DUB FOUNDATION zum
Beispiel oder TALVIN SINGH. Dass die halt vorne stehen und dahinter ist
es relativ schwierig sich irgendwie jetzt einen Namen zu machen bzw. seine
Musik zu verbreiten. Wie seht Ihr das?
LELONEK: Es stimmt schon. Natürlich ist es immer schwer sich neben irgend
'ner Massenproduktion hervorzutun - dass heißt in dem Sinne: Als der ASIAN
UNDERGROUND angefangen hat in Blue Note-Zeiten - da war das wirklich noch
Underground. Das heißt DJs sind zusammengekommen - und Simbad kennt das
auch noch- wir haben alle so Jam Session gemacht und geDJayt und einfach...
da war so'n Vibe da. Und dann wurde es natürlich kommerziell verbreitert.
Dadurch, dass eben diese ersten Bands da rausgekommen sind, wie TALVIN
oder NITIN SAWHNEY und BADMARSH & SHRI und diese ganzen Bands einfach,
die für den Sound stehen. Und danach wird's dann etwas einsamer, das ist
ganz klar. Allerdings würde ich dazu sagen, das ist eine immer wachsende
Szene. Das heißt es hat nie aufgehört. Es ist kein Phänomen, das zwei
Monate oder sechs Monate gedauert hat und dann total abgestorben ist,
sondern ich entdecke jetzt immer wieder weiter, wenn ich jetzt nach Europa
komme zum Beispiel, dass in jedem Land eben diese Musikart jetzt als Szene
heran wächst. Und das interessiert mich natürlich viel mehr als dieses
ganze kommerzielle, das schon tausendmal wiederholt worden ist.
Simbad, du kommst ja aus London - welche Erfahrungen hast du denn dort
mit der Entwicklung der Asien-Szene gemacht?
Simbad: Seit fünf Jahren mache ich dort in einem Studio Musik und habe
da auch LELONEK durch die ANOKHA-Sessions kennengelernt. Und in London
gibt es ja so viele verschiedene Dinge und dass ich zum ASIAN UNDERGROUND
gekommen bin, ist gar nicht so lange her - zwei Jahre vielleicht. Und
mit LELONEK verbinden mich dabei viele schöne Erlebnisse, so dass wir
jetzt auch zusammen Musik machen und auf Tour gehen. Aber ASIAN UNDERGROUND
beinhaltet sehr viele Richtungen: Du kannst es so nennen, wenn du Drum'n'Bass
mit Acapella machst, von woher auch immer... Indien oder... Es ist so,
als ob du von Jazz redest - es ist sehr schwer, zu sagen, was ASIAN UNDERGROUND
genau ist...
Eine Mischung von vielen Sachen...
Simbad: Ja, vollkommen! Manchmal ist es nicht einmal direkt aus Asien
- es ist aus arabischen Ländern oder...
Ja, eher international!
Simbad: Ja, genau.
Hat die Szene in London ihren Höhepunkt erreicht oder entwickelt sich
noch mehr?
Simbad: Ich denke, sie wächst immer noch, denn es gibt neue Entwicklungen
in der Breakbeat-Szene und beim 2-Step / Garage. Viele asiatische Musiker
verbinden die 2-Step-Einflüsse mit ihrem Sound, also denke ich schon,
dass sich da noch einiges tut. Und es gibt so vieles, was man machen kann:
Du kannst - was weiß ich - du kannst Trash-Metal mit Tabla machen ;-)
Auch wenn ich da persönlich nicht hingehen würde, aber du kannst eben
alles machen - mit Dub und so weiter...
Ja... Ich war im letzten Dezember in Indien und bin von Bombay nach
Norden nach Gujarat geradelt...
Jawed: Geradelt? Hört hin!
Ja... und hab da sehr viele Leute getroffen, die sehr hilfsbereit sind
und wo es mir mal nicht so gut ging, mich aufgenommen haben, mir geholfen
haben und so weiter. Und diese Hilfsbereitschaft - habe ich mir durch
den Kopf gehen lassen - wäre das so, wenn ein Inder nach Deutschland kommen
würde und so eine Reise geplant hätte? Hast du da vielleicht Erfahrungen
gemacht in der Richtung?
Jawed: Ich habe große Erfahrungen gemacht. Bis jetzt hab ich sehr viele
hilfsbereite Deutsche kennen gelernt und einige wenige nicht hilfsbereite,
muss ich sagen. Aber das Radfahren erinnert mich an etwas, weil mein Vater
der ist auch wegen einem deutschen Radfahrer nach Deutschland gekommen.
Dieser Radfahrer - 1956 ist er mit dem Fahrrad von Würzburg in Bayern
nach Amritsar geradelt, hat dort meinen Vater kennen gelernt und hat es
dann in die Wege geleitet, dass er nach Deutschland kommen konnte. Also
auch ein sehr hilfsbereiter Deutscher sozusagen.
Es gibt überall solche und solche...
Jawed: Ja, es gibt überall gute Leute und schlechte Leute - es gibt auch
in Indien Leute, die nicht so cool sind...
Thomas, ich hab mich auch so ein bisschen in Richtung Tabla informiert
und es ist ja sehr wichtig, da einen Lehrer zu haben, einen Guru. Hattest
du da einen oder wie hast Du Dich dahin entwickelt, dass du jetzt so gut
Tabla spielen kannst?
Thomas: Meine Frau, die ist aus Bombay, hat mich an eine Schule in Bombay
vermittelt, eine Art Konservatorium für indische Musik. Von vornherein
hatte ich fundierten Tabla-Unterricht und seit 15 Jahren einen Tabla-Guru
zu dem ich regelmäßig fahre und Unterricht nehme und Sachen aufnehme,
die ich hier dann verarbeite und umsetze aufs westliche Schlagzeug. Ich
bin ja eigentlich von Haus aus westlicher Percussionist, also klassischer
Percussionist und dann in verschieden Funk-, Fusion-, Jazz-Projekten gespielt.
Also es kommen viele verschiedene Einflüsse bei mir zusammen. Und speziell
der indische ist ein sehr gewichtiger.
LELONEK: Und da muss ich noch dazu sagen, Thomas hat auch ein Buch veröffentlicht
- auch eine sehr einmalige Sache mit 'nem Vorwort von Zakir Hussein, dem
"World Tabla God"! Und es geht darin um die ganze Geschichte, der Umsetzung
dieser doch für uns komplizierten 7, 10, 6 ½, 9- Rhythmen - die in der
indischen klassischen Musik ja so Gang und Gäbe sind - auf europäisches
Schlagzeug, auf europäische Perkussionsinstrumente. Das hat er in einem
ganz tollen Buch zusammengebracht - und... Respekt!
Wenn du in Indien gespielt hast oder Kontakt hattest mit Leuten aus
Asien - wie wird da diese Verbindung aus traditioneller und moderner westlicher
Musik aufgenommen? Gibt's da eine Akzeptanz oder ist da eher Ablehnung
die Haltung?
Thomas: Es hat sich in den letzten Jahren unheimlich geändert. Also es
entstehen Fusion-Bewegungen, auch ASIAN UNDERGROUND-Bewegungen, Techno-Einflüsse...
Bombay, Indien ist ja durchs Internet, durch weltweite Verbindungen melting
pot geworden, wo alle Einflüsse zum Tragen kommen. Und die Szene öffnet
sich dort unheimlich. Vor zehn Jahren war's noch mehr klassisch orientiert,
aber es geht mehr in die Ebene ASIAN UNDERGROUND, Fusion-Richtung. Das
ist ein neuer Trend in Bombay, in Indien überhaupt. Speziell Talvin Singh
ist ein Beispiel für moderne indische Musik.
Eine Frage noch an dich LELONEK... Du bist ja nach England gegangen
damals. Aus welchem Grund: War das auch weil du dachtest, dort die Musik,
die du magst, dort besser machen zu können, freier sein zu können als
hier in Deutschland?
LELONEK: Da könnte ich natürlich "ja" dazu sagen ;), aber es stimmt eigentlich
überhaupt nicht. Es war ein ganz, ganz persönlicher Grund irgendwo. Eigentlich
so, wie er es fast jedem passiert, so mit Ex-Freundin und so weiter und
so fort... und einfach tiefer Frust irgendwie und so weit wie möglich
weg von der Situation., die mich eigentlich nach London getrieben hat.
Allerdings muss man auch dazu sagen, dass ich vorher auch schon die School
Of Audio hier gemacht hab, in Frankfurt damals als Sound Engineer und
bin dann eben mit dieser ganzen Geschichte da rüber gegangen. Und ich
hab dann gleich einen Sound Engineer-Kurs in London mitgemacht für zwei
Jahre und dann halt einfach die Arbeit danach angefangen, als Engineer
überall zu arbeiten in den ganzen Studios im ganzen UK eigentlich und
so hat sich das dann einfach entwickelt. Und mittlerweile ist es so, wir
kommen jetzt wieder auch oder ich komme auch wieder hier her wie jetzt
gerade. So geht es, hier in Deutschland auch was aufzubauen, um einfach
unseren Sound rüberzubringen. Und ich finde, ich habe viel von den Erfahrungen
gelernt, die ich damals mit den jungen Indern in London hatte. Als ich
drüben zum ersten Mal aufgetaucht bin, gab's so was wie dieses ASIAN UNDERGROUND
überhaupt nicht und es war halt "nur" 'ne Bhangra-Szene so teilweise.
Und wie gesagt mit ANOKHA: Am Anfang waren eigentlich nur sehr viele weiße
Leute dort und kaum Inder, es war ganz umgekehrt und das hat sich erst
nach und nach entwickelt dieses Selbstbewusstsein. Und da fühl ich doch,
dass zum Beispiel in Deutschland, zum Beispiel mit euch, mit Ausländern
wie Türken und so weiter, sehr viel mehr passieren könnte - MÜßTE eigentlich,
für meine Begriffe. Um diese gleiche Force noch mal zu bringen - da ist
noch ein unheimliches Potential da, finde ich und da würde ich gern dabei
sein, das zu öffnen.
Vor einer Woche war ich beim Natacha Atlas Konzert in Hamburg und es
war ein sehr gemischtes Publikum, und die Masse hat richtig Party gemacht.
Ich war auch bei dem Konzert vor zwei Jahren und damals war es eine eigenartige
Situation, weil das größtenteils deutsche Publikum vorwiegend zuschaute
und kaum mitmachte. Diesmal aber war es sehr international und die Leute
fingen an, den Rhythmus zu klatschen und steckten damit auch alle anderen
an!
Simbad: Genau das ist das Phänomen, was wir wollen!
Das komplette Interview ist zu lesen auf www.electrigger.de/eg_e6le1.htm
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